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Der Salon des Monats: Curls & More  

Bei Locken muss wirklich alles zusammenspielen: Schnitt, Form & Styling

Was passiert, wenn eine Friseurin ihre Leidenschaft für Locken nicht nur im eigenen Salon auslebt, sondern daraus eine eigene Schnitttechnik, Werkzeuge und eine ganz neue Art der Beratung entwickelt? Bei Elke Göttgens heißt die Antwort Curls & more. Hier kommen Menschen mit Locken mit ihren Geschichten, Fragen und manchmal auch der Hoffnung auf eine letzte Rettung. Sie gehen im besten Fall mit etwas viel Wertvollerem nach Hause als einem neuen Haarschnitt: mit dem Gefühl, ihre eigenen Haare endlich zu verstehen und somit im Alltag das bestmögliche Resultat genießen zu können. Genau deshalb ist Curls & more unser Salon des Monats Oktober.

Die Frage, die alles ins Rollen brachte

Elkes Leidenschaft für Locken begann schon während ihrer Ausbildung. Ihre Chefin legte großen Wert auf Dauerwellen, Elke wollte selbst unbedingt Locken, nur sollten sie bitte nicht nach typischem 80er-Jahre-Look ausschauen. Also fragte sie: „Kann man eine Dauerwelle nicht so wickeln, dass sie natürlicher aussieht?“ Die Frage ließ sie nicht mehr los. Sie besuchte zahlreiche Seminare, probierte Wickeltechniken aus und erkannte schnell: Bei Locken muss wirklich alles zusammenspielen: Schnitt, Form und Styling. 

„Locken sind für mich Faszination. Meine Augen sehen, mein Kopf denkt und meine Hände wissen sofort, was zu tun ist, um die Magie und Schönheit jeder einzelnen Locke zu entfalten.“

Und, wie lautet deine Lockengeschichte?

Wer zu Curls & more kommt, bekommt nicht einfach einen Lockenschnitt. Der Termin beginnt mit aufmerksamem Zuhören. „Erzähl uns bitte deine Lockengeschichte“ heißt es bei der Beratung. Viele Kundinnen haben jahrelang mit ihren Haaren gekämpft. Manche fahren 300 bis 500 Kilometer und sagen: „Ihr seid meine letzte Hoffnung.“ Das Team möchte deshalb zuerst verstehen, wer da eigentlich im Stuhl sitzt: Wie lebt die Kundin? Wie viel Zeit hat sie morgens? Muss sie ihre Haare im Beruf zurückbinden? Was wünscht sie sich wirklich?

Auch die Atmosphäre gehört für Elke dazu. Kunden werden empfangen, bekommen etwas zu trinken, ein erfrischendes Tuch mit selbst gewähltem Aveda-Duft und eine kleine Karte. Und bevor jemand in die Haare greift, wird gefragt: „Darf ich jetzt in deine Haare greifen?“ Für Elke ist das keine Nebensache, sondern Respekt.

Locke ist nicht gleich Locke

Von feinen Wellen bis zu starken Locken und Afro-Curls bis 4B arbeitet Curls & more mit ganz unterschiedlichen Strukturen. „Locke ist noch lange nicht Locke“, sagt Elke. Die eine möchte mehr Ruhe und eine elegante Form, die andere liebt möglichst viel Volumen und Bounciness. Genau deshalb gibt es im Salon keine Lösung von der Stange. Schnitt, Pflege und Styling werden auf die Person und ihren Alltag abgestimmt.

Dabei geht es auch um Wissen. Kundinnen lernen, welche Produkte funktionieren, wie sie ihre Locken stylen und trocknen und welche Techniken sie zu Hause selbst anwenden können. In Do-it-yourself-Kursen probieren sie Produkte, Bürsten, Fingertechniken und Diffusor-Trocknung selbst aus.

Das Ziel: Nicht nur schöne Haare beim Verlassen des Salons, sondern mehr Sicherheit vor dem eigenen Spiegel, damit die Frisur auch in der Zeit danach sitzt.

Eine Schere, die um die Ecke denkt

Auf der Suche nach einer passenden Technik begeisterte Elke der Dry Cut. Im trockenen Haar sieht sie, wie die Locke tatsächlich fällt, wo die Grundlänge liegt und welche unterschiedlichen Strukturen auf einem Kopf zusammenkommen.

Daraus entwickelte sie den Curving Cut und irgendwann die Idee einer gebogenen Schere. Eine passende fand sie zunächst nicht. Also probierte sie kurzerhand eine Hundeschere aus. Aus diesem ungewöhnlichen Prototyp wurde später gemeinsam mit einer Manufaktur in Solingen ihre eigene Scherenlinie. Heute gibt es die Scheren in sechs, sieben und neun Zoll.

Elkes Grundsatz: „Gebogen folgt gebogen.“ Für sie ist der Curving Cut fast wie Bildhauerei: Sie arbeitet die Form aus dem natürlichen Fall der Locke heraus und unterstützt ihre natürliche Bewegung.

Mehr Mut zur eigenen Locke

Hinter dem ganzen Know-how steckt eine sehr persönliche Mission. Viele Menschen haben gelernt, ihre Locken zu verstecken oder glattzuziehen. Elke möchte, dass sie ihre natürliche Struktur als etwas Besonderes wahrnehmen.

„Ich möchte, dass meine Lockenkundinnen ihre Locken lieben.“

Der schönste Moment ist für sie deshalb, wenn Kundinnen vor Glück weinen, sich danach mit einem strahlenden Lachen fotografieren lassen oder später von den Komplimenten erzählen, die sie für ihre Haare bekommen haben.

Raus aus dem Friseurtakt

Elke Göttgens

Was sich bei Curls & more verändert hat, ist nicht nur der Blick auf Locken, sondern auch die Art zu arbeiten. Elke beschreibt, dass sie heute nicht mehr im klassischen „Friseurtakt“ arbeitet: Statt möglichst viele Kunden durchzuschleusen, stehen drei bis fünf Menschen am Tag im Mittelpunkt. Das beinhaltet Schnitt, Farbe, Pflege oder Styling und vor allem mit Zeit für Beratung. Das Konzept zahlt sich auch wirtschaftlich aus:

„Bei uns hat sich der Umsatz in der Hälfte der Zeit verdoppelt.“ 

Gleichzeitig haben sich die Verkäufe von Lockenprodukten und Tools vervierfacht. Für Elke ist das kein Selbstzweck, sondern die Grundlage dafür, gute Löhne zu zahlen, Mitarbeitende weiterzubilden und weiter in den Salon und neue Werkzeuge zu investieren. So wird aus Spezialisierung ein Modell, das für Kunden und Team gleichermaßen funktioniert.

Vom Lockensalon zur Lockenbewegung

Curls & more ist inzwischen längst mehr als ein Salon. Elke schult ihr Team kontinuierlich und gibt ihr Wissen auch in Seminaren an andere Friseur:innen weiter. Gemeinsam mit ihrem Mann entwickelt sie außerdem Werkzeuge für den Lockenalltag, darunter die Curl Spa 270 Diffusorhaube, die inzwischen in Deutschland produziert wird.

Dass sie selbst auf diesem Weg oft gezweifelt hat, verschweigt Elke nicht. Sie spricht offen über falsche Investitionen, Rückschläge und die Frage, ob ihr Weg überhaupt der richtige ist. Was sie stetig weitermachen lässt, sind die Menschen: Kundinnen, die ihre Locken plötzlich lieben, und Friseurinnen, die nach ihren Seminaren sicherer aufgrund ihres neuen Know-hows arbeiten.

Ihr Wunsch für die Zukunft ist deshalb klar: „Ich möchte Fußstapfen hinterlassen.“ Ihr Wissen soll in andere Salons wandern, damit mehr Lockenkunden kompetente Ansprechpartnerinnen finden und mehr Friseure Freude an dieser Arbeit haben.

Warum Curls & more unser Salon des Monats Oktober ist

Weil hier niemand einfach mit nassen Haaren in den Stuhl gesetzt und nach Schema F losgeschnitten wird. Bei Curls & more wird erst gefragt, zugehört, analysiert und dann geschnitten. Aus Elkes eigener Faszination für Locken ist ein komplettes Salonkonzept entstanden: mit Curving Cut, eigenen Werkzeugen, viel Know-how und einem Team, das seine Begeisterung weitergibt. Das Ergebnis? Menschen, die ihre Locken plötzlich mit anderen Augen sehen. Und ein Salon, der zeigt, dass Spezialisierung alles andere als langweilig sein muss. Kurz gesagt: glückliche Lockenköpfe und entspannte Friseur:innen.

Fotocredit: Salon & Team: Elke Göttgens / Portrait: Heike Schenkelberg / Scherenbilder: Heike Berressem

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