Was haben Haare, Mode, Pflanzen und ein James-Bond-Poster miteinander zu tun? Bei Jules und Emil ziemlich viel. Was im Lockdown mit übrig gebliebenen Pflanzen am Küchenfenster begann, ist heute der Zweimal Store in München – ein Friseur-Conceptstore, der Hair, Fashion und Pflanzen zusammenbringt. Wie aus Frust eine gemeinsame Vision wurde, erzählen uns die beiden als unser Salon des Monats September.
Angefangen hat das Konzept nicht mit einem klassischen Businessplan, sondern mit Frust: schlecht bezahlt, oft unfair behandelt – so kannten es Jules und Emil aus der Branche. Kennengelernt hatten sich die beiden bei gemeinsamen Fotoshootings, Jules im Bereich Hair & Make-up, Emil im Styling. Die Zusammenarbeit funktionierte so gut, dass sie irgendwann im Lockdown in ihrer Küche saßen und dachten: „Das können wir auch allein!“

Auch der Name entstand an diesem Küchentisch. Gesucht war ein Wort, das die beiden Köpfe und ihre unterschiedlichen Branchen verbindet. Die Lösung hing dabei die ganze Zeit an der Wand: ein James-Bond-Filmplakat mit dem Titel „Man lebt nur zweimal“. Wie bei einem Kind, sagen die beiden, habe man sich den Namen nicht ausgesucht – er sei einfach da gewesen: Zweimal.
Die konkrete Idee für den Store entstand ebenfalls eher zufällig. Pflanzen, die von einer Fotoproduktion übriggeblieben waren und Klamotten aus Emils Kleiderfundus verkauften Jules und Emil kurzerhand aus ihrem Küchenfenster. Die Aktion kam überraschend gut an und plötzlich war klar: Daraus könnte mehr werden. So entstand die Idee für das heutige Konzept aus Hair, Fashion und Pflanzen. Heute ist Zweimal ein Friseur-Conceptstore, in dem zwischen Haarschnitten Zimmerpflanzen, internationale Designerkollektionen, Accessoires und Kunst zu finden sind.
Egal, ob wir privat gerade Streit haben oder beruflich vor einem Problem stehen: Wir wissen, dass wir uns zu 5000 % aufeinander verlassen können. Am Ende lösen wir die Dinge gemeinsam.
Was die verschiedenen Bereiche verbindet, ist vor allem ein gemeinsames Gespür für Ästhetik und der Blick auf den Menschen. Haare und Mode werden bei Zweimal deshalb nicht getrennt gedacht. Entscheidend ist, was zu einer Person passt, was sie tragen kann und womit sie sich wohlfühlt. Getragen wird das Ganze von Verlässlichkeit.




So sehr der Blick auf Ästhetik den Store prägt, so sehr geht es Jules und Emil um den Umgang mit der Kundschaft. Jules kennt das Gefühl gut, unzufrieden aus einem Salon zu gehen: nicht richtig zugehört, mit Fachbegriffen zugeworfen, falsche Versprechungen im Gepäck. Genau da setzt Zweimal an. Eine gute, ehrliche Beratung die Basis für eine gute Zusammenarbeit. Kundschaft und Friseur sollen als Team agieren und dazu gehört eben auch mal ein Nein. Nicht alles, was gewünscht wird, ist automatisch sinnvoll oder umsetzbar.
Das gilt auch für den Fashion-Bereich. Emil verkauft und empfiehlt nicht einfach, was möglichst viel Umsatz bringt. Wenn etwas nicht passt, gibt es auch hier ein ehrliches „Nein“ und im besten Fall eine tragbare Alternative.
Spürbar wird diese Haltung vor allem in der Atmosphäre im Store: entspannt, echt und ohne gespielte Wohnzimmer-Behauptung. Warum sich dort so unterschiedliche Menschen wohlfühlen, erklärt sich für Jules ganz einfach damit, dass hier niemand eine Rolle nach außen spielen muss.
Gestartet ist Zweimal zunächst klassisch mit getrennten Damen- und Herrenpreisen. Es gab viel Kritik an der Unterscheidung: Warum sollte man in der heutigen Zeit überhaupt noch zwischen Damen und Herren unterscheiden? Eine fertige Lösung hatten Jules und Emil zunächst selbst nicht. Also besuchten die beiden gezielt ein Seminar, erarbeiteten sich ein neues Grundgerüst, kalkulierten und verfeinerten es, bis daraus das heutige geschlechtsunabhängige Preismodell wurde.
Auch bei der Abrechnung geht Zweimal einen eigenen Weg: Bezahlt wird nach Zeit. Für Jules und Emil ist das ein weiterer Teil ihrer Idee, klassische Salonmodelle zu hinterfragen und ein System zu schaffen, das zum eigenen Konzept passt.
Auf zwei Worte heruntergebrochen, steht Zweimal für die beiden Gründer vor allem für: Menschlichkeit und Authentizität. „Anders“ zu sein, hat oft einen schlechten Ruf – bei Zweimal ist es dagegen bewusst gewählt: gleiche Augenhöhe, faire Bedingungen fürs Team und Dankbarkeit gegenüber der Kundschaft.

Das zeigt sich im bunten Social-Media-Auftritt ebenso wie in der Optik des Stores und ganz besonders darin, dass unangenehme Themen nicht gescheut und die eigene politische Meinung nicht versteckt wird. Sich bewusst dem Gegenstrom zu stellen, gehört für Jules und Emil zum Anderssein dazu.
Mit im Laden, ganz offiziell inoffiziell: Rosi. Die elfjährige Hündin ist aus Zweimal nicht wegzudenken – zurückhaltend, neugierig und von wirklich jedem im Store geliebt. Selbst Menschen, die eigentlich Angst vor Hunden haben, sitzen irgendwann da und streicheln sie.
Für die Zukunft wünschen sich Jules und Emil vor allem ein festes, konstantes Team. Stillstand ist für die beiden keine Option, selbst wenn der Laden gut läuft: Weiterbildungen, Entwicklungsmöglichkeiten, Beförderungen und Gehaltserhöhungen für Mitarbeitende gehören für sie einfach dazu.
Zweimal soll langfristig ein Lebensprojekt und irgendwann auch Altersvorsorge sein. Wachsen wollen die beiden trotzdem nicht um jeden Preis. Bleiben soll vor allem die Liebe zu dem, was man tut und die Wertschätzung für das, was bereits entstanden ist.



Zweimal ist unser Salon des Monats, weil aus Küchentisch-Frust ein Konzept wurde, das sich traut, alles gleichzeitig zu sein: Friseursalon, Modeladen und Pflanzenparadies und das Ganze trotzdem aus einem Guss. Weil Jules und Emil nicht behaupten, alles richtig zu machen, sondern offen erzählen, wo es haperte und wie sie sich zum Beispiel beim Preismodell erst durchfragen mussten. Weil bei ihnen niemand eine Rolle spielt, weder Team noch Kundschaft, und man das im Laden sofort spürt. Und nicht zuletzt, weil ein Salon, dessen heimliche Chefin ein elf Jahre alter Hund namens Rosi ist, genau die Sorte Geschichte ist, die wir im Querschnitt Magazin erzählen wollen.
Fotocredit: Nikolas Tusl
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