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„Lass deine Haare lieber an der Luft trocknen – das ist gesünder.“ Diesen Ratschlag hört man immer wieder. Lufttrocknen gilt als besonders schonend, weil dabei keine Hitze zum Einsatz kommt. Doch genau diese Annahme gehört zu den verbreitetsten Haar-Mythen.
Tatsächlich ist es für die Haarstruktur nicht besser, Haare einfach an der Luft trocknen zu lassen. Im Gegenteil: Langes Nassbleiben kann die Haarfaser zusätzlich belasten.
In unserer Rubrik „QS erklärt’s“ schauen wir uns an, was beim Trocknen von Haaren wirklich passiert und warum Friseur:innen empfehlen, Haare kontrolliert zu föhnen – mit moderater Hitze, Hitzeschutz und einer schonenden Technik.
Wenn Haare nass werden, verändert sich ihre Struktur. Die Haarfaser nimmt Wasser auf und quillt auf. Gleichzeitig öffnet sich die äußere Schuppenschicht des Haares, die sogenannte Cuticula, leicht. In diesem Zustand wird das Haar deutlich empfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen. Nasses Haar reagiert besonders sensibel auf:
Reibung durch
Handtücher oder Kleidung
Mechanische Belastung
beim Bürsten
Dehnen und Ziehen
beim Stylen
Das bedeutet: Solange Haare nass sind, befinden sie sich in einer empfindlichen Phase. Je länger dieser Zustand anhält, desto länger bleibt auch die Haarstruktur anfällig für Schäden.
Beim Lufttrocknen bleiben Haare häufig über längere Zeit nass – besonders bei dichtem oder langem Haar. Während dieser Zeit verändert sich die Haarfaser ständig: Sie nimmt Wasser auf, quillt auf und zieht sich beim Trocknen wieder zusammen. In der Haarforschung wird dieser Prozess mit dem Begriff Hygral Fatigue (feuchtigkeitsbedingte Ermüdung) beschrieben. Gemeint ist die Belastung der Haarstruktur durch wiederholtes Aufquellen und Zusammenziehen der Haarfaser. Das kann langfristig dazu führen, dass:
Die Haarstriktur
geschwächt wird
Die Cuticula stärker
beansprucht wird
Haarbruch
begünstigt wird
Deshalb gilt: Haare, die nass bleiben, sind für die Haarstruktur keine ideale Situation.

Viele Friseurinnen sehen den Tipp „Einfach lufttrocknen lassen“ deshalb kritisch. Im Salon lautet die Empfehlung meist: nicht warten, sondern trocknen. Beim Föhnen lässt sich der Trocknungsprozess gezielt steuern. Die Haare trocknen gleichmäßig und bleiben nicht länger als nötig im nassen Zustand.
Der Föhn ist also nicht der Bösewicht im Badezimmer. Im Gegenteil: Im Friseurhandwerk gehört er zu den wichtigsten Werkzeugen, um Haare gezielt und kontrolliert zu trocknen.
Der Unterschied liegt nicht im Gerät, sondern in der Anwendung. Während Lufttrocknen oft einfach dem Zufall überlassen wird, lässt sich der Trocknungsprozess mit dem Föhn bewusst steuern. Wie das möglichst schonend funktioniert, zeigen die wichtigsten Grundregeln im Überblick.
Sanft antrocknen
Haare nach dem Waschen nicht rubbeln, sondern vorsichtig im Handtuch ausdrücken.
Vorsichtig entwirren
Nasses Haar ist empfindlich. Deshalb nur behutsam bürsten – idealerweise mit geeigneten Bürsten oder einem grobzinkigen Kamm, mit möglichst wenig Zug und etwas Leave-in-Pflege, um die Haarstruktur geschmeidiger zu machen.
Immer Hitzeschutz verwenden
Beim Föhnen sollte immer ein Hitzeschutzprodukt verwendet werden. Wer föhnt, muss die Haarfaser schützen. Es legt sich wie ein Schutzfilm um die Haarfaser und hilft, die Einwirkung von Hitze gleichmäßiger zu verteilen.
Kontrolliert föhnen
Eine moderate Temperatur und ausreichend Abstand zum Föhn sorgen dafür, dass Haare gleichmäßig trocknen, ohne unnötig strapaziert zu werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Nicht jede vermeintlich „schonende“ Methode wie das Lufttrocknen ist automatisch die bessere für die Haarstruktur. Entscheidend ist vor allem, wie lange Haare im empfindlichen nassen Zustand bleiben und wie bewusst mit ihnen umgegangen wird.
Ein kontrollierter Trocknungsprozess, kombiniert mit der richtigen Technik und passenden Pflegeprodukten, kann helfen, die Haarstruktur zu schützen und unnötige Belastung zu vermeiden. Wer sich immer noch unsicher ist, wie Haare wirklich schonend getrocknet werden, fragt am besten dort nach, wo täglich mit Haar gearbeitet wird: im Friseursalon.
Wenn wir dir eine Sache mit auf den Weg geben dürfen: Föhn bitte an – aber richtig.
Titelbild: Gratisography via Pexels
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