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Secondhand-Liebe: Warum nachhaltige Mode mehr als nur ein Trend ist

Jedes Jahr landen Millionen Tonnen ungetragener oder zurückgeschickter Kleidung auf Müllhalden – ein erschreckendes Nebenprodukt des Fast-Fashion-Wahns und des unaufhaltsam wachsenden Online-Shoppings.

Diese Textilien wurden einzig und allein dafür produziert, Konsumenten zu schnellen, oft impulsiven Käufen zu verleiten. Doch was passiert mit all der Kleidung, die wir kaum getragen oder nie wirklich gebraucht haben? Wir haben uns das genauer angeschaut und untersuchen, wie Fast Fashion unsere Umwelt belastet. Zudem wirft Jacky aus unserem Redaktionsteam einen Blick auf die nachhaltige Alternative: Secondhand-Mode – und berichtet von ihrer eigenen Erfahrung damit. Ein Trend, der nicht nur einzigartige Styles schafft, sondern auch eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den wachsenden Textilmüll spielt.

Anzahl der täglich verschickten Pakete in Deutschland:
Im Jahr 2023 wurden in Deutschland insgesamt 4,18 Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen (KEP) verschickt, was durchschnittlich etwa 11,45 Millionen Paketen pro Tag entspricht. (Quelle: bpex-ev.de)

Fast Fashion: Ein Kreislauf des Überflusses

Shein, Temu und Co. haben das Shopping-Verhalten verändert: Mode ist so günstig wie nie und neue Kollektionen erscheinen im Wochentakt. Bestellt wird oft impulsiv – und vieles wird direkt wieder entsorgt. Tatsächlich landet ein großer Teil ungetragener oder zurückgesendeter Kleidung im Müll oder wird verbrannt. Laut der Europäischen Umweltagentur (EEA) betrifft das jährlich vier bis neun Prozent aller produzierten Textilien – bis zu 590.000 Tonnen. Um diesem verschwenderischen Umgang entgegenzuwirken, möchte die Politik zukünftig strengere Regeln durchsetzen:

EU-Verbot für die Vernichtung unverkaufter Kleidung
Große und mittelgroße Händler dürfen unverkaufte Waren nicht mehr ohne triftigen Grund zerstören. Die neuen Vorschriften sollen für große Unternehmen ab 2026 greifen, für mittelgroße erst ab 2030. Kleine Unternehmen sind von der Regelung jedoch ausgenommen, was Umweltschützer kritisieren, da gerade dort viele Restposten landen.

Zölle auf Einzelpakete aus Asien
Um die unkontrollierte Einfuhr von Billigmode zu erschweren, plant die EU, den Zoll für Einzelpakete von Plattformen wie Shein und Temu zu erhöhen.

Mehr Transparenz für Unternehmen
Textilhändler müssen künftig genau offenlegen, wie sie mit unverkauften Waren umgehen. Dadurch soll der öffentliche Druck steigen, nachhaltigere Lösungen zu finden.

Trennung von Alttextilien ab 2025
Seit dem 1. Januar 2025 müssen Alttextilien in der EU separat vom Restmüll entsorgt werden, um das Recycling zu verbessern. Verbraucher sollen ihre alten Kleidungsstücke in speziellen Sammelbehältern abgeben, während stark beschädigte Textilien weiterhin im Restmüll landen dürfen.

Textilmüllaufkommen in Deutschland:
Jede erwachsene Person in Deutschland besitzt im Durchschnitt 95 Kleidungsstücke (ohne Unterwäsche und Socken), was insgesamt etwa 5,2 Milliarden Kleidungsstücke ergibt. (Quelle: umweltbundesamt.de)

Doch reichen diese Maßnahmen, um den Textilmüllberg zu verkleinern? Kritiker befürchten, dass viele unverkaufte Kleidungsstücke einfach aus der EU exportiert und auf Müllhalden in Afrika oder Asien abgeladen werden. Und während politische Maßnahmen ergriffen werden, um den Textilmüll zu reduzieren, beeinflusst der boomende Online-Handel zusätzlich auch weiterhin unser Konsumverhalten negativ. Denn die ständige Werbung auf Social Media und die Verfügbarkeit von Mode im Netz fördern Impulskäufe Impulskäufe und den Drang, stets den neuesten Trends zu folgen. Dies führt oft dazu, dass Menschen mehr ausgeben, als sie sich eigentlich leisten können – nicht selten auf Kredit oder per Ratenzahlung.

Gerade in einer Zeit, in der Fast Fashion immer schneller und kurzlebiger wird, bietet Secondhand-Mode eine bewusste Alternative. Statt ständig Neues zu kaufen, können wir bereits vorhandene Ressourcen nutzen, hochwertige Kleidung weitertragen und so nachhaltiger konsumieren. Deshalb möchte ich euch nun einen Einblick in meine persönliche Erfahrung mit Secondhand-Mode geben und zeigen, wie dieser bewusste Konsum für mich zu einer echten Leidenschaft wurde.

Durchschnittliche Nutzungsdauer von Kleidung in Deutschland:
Laut einer Greenpeace-Umfrage aus dem Jahr 2022 tragen 58 % der Befragten kurzärmelige oder ärmellose Oberteile länger als drei Jahre. (Quelle: statista.com)

Von Hongkong nach Köln: Meine Secondhand-Geschichte

Meine Leidenschaft für Secondhand-Mode begann 2013 während meines Auslandssemesters in Hongkong. Eine dort lebende Kommilitonin nahm mich regelmäßig mit in die versteckten Vintage-Läden der Stadt – und ich war sofort fasziniert. Stundenlang stöberten wir durch überfüllte Kleiderstangen, Regale und Wühlkisten und entdeckten dabei einzigartige Stücke, die es in keinem Fast-Fashion-Store gab. Jedes Teil war ein Unikat, das zum Experimentieren einlud und meinen Stil neu definierte. Seitdem sind Flohmärkte, Secondhand- und Vintage-Shops für mich nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit, sondern eine echte Passion geworden.

Heute, mehr als zehn Jahre später, spiegelt mein Kleiderschrank diese Liebe wider: Ein bunter Mix aus Fundstücken von vielen Reisen, primär Secondhand, jedes mit seiner eigenen Geschichte. Natürlich kaufe ich mir auch mal gezielt neue Kleidung – doch die wahre Freude finde ich meistens in den einzigartigen Secondhand-Schätzen. Besonders schätze ich dabei, dass ich hochwertige Materialien und Designermarken zu einem Bruchteil des Neupreises finde. Genau deshalb gehe ich auch regelmäßig auf Flohmärkte – am liebsten mit Freundinnen. Ich liebe die Atmosphäre dort: das bunte Treiben, die Gespräche mit den Menschen, das Stöbern zwischen den Ständen und das Glücksgefühl, wenn ich ein besonderes Stück entdecke. Es ist jedes Mal ein kleines Abenteuer – und oft finde ich Schätze, die es so nicht mehr zu kaufen gibt.

Müll durch Textilien:
Im Jahr 2023 fielen in Deutschland rund 175.000 Tonnen Textilabfälle aus privaten Haushalten an – ein beachtlicher Anstieg von 55 % im Vergleich zu 2013. (Quelle: destatis.de)

Während viele Secondhand-Mode noch mit verstaubten Flohmärkten oder Kellerläden assoziieren, hat sich vor allem das Luxussegment rasant entwickelt. Designerstücke und exklusive Marken sind heute auf spezialisierten Plattformen und in hochwertigen Secondhand-Boutiquen zu finden – oft in bestem Zustand und bis zu 80 % günstiger als im Originalverkauf. Dadurch wird nachhaltige Mode auch für kleinere Budgets erschwinglich. Längst haben auch große Online-Händler das Potenzial erkannt: Plattformen wie Asos, Zalando und Amazon setzen zunehmend auf Marktplätze für gebrauchte Kleidung und machen Secondhand damit noch zugänglicher. Ich persönlich nutze die Online-Plattform Vinted, wenn ich gezielt nach bestimmten Marken oder Stücken suche.

Doch für mich geht es nicht nur um den finanziellen Vorteil oder den Nervenkitzel, ein echtes Schnäppchen zu ergattern. Es ist vor allem die Nachhaltigkeit, die Secondhand-Mode für mich so wertvoll macht. Kleidung bewusst zu konsumieren, Ressourcen zu schonen und den Lebenszyklus eines Kleidungsstücks zu verlängern, sind essenzielle Aspekte. Warum sollte ein gut erhaltenes Teil entsorgt werden, wenn es jemand anderem noch Freude bereiten kann? Genau deshalb organisiere ich auch regelmäßig Kleidertauschpartys: Kleidung aussortieren, bringen, Zeit miteinander verbringen, tauschen, mit neuen Lieblingsteilen nach Hause gehen – nachhaltiger und spaßiger geht’s nicht. 

Wasserverbrauch der Textilindustrie:
Für die Herstellung eines einzigen Baumwoll-T-Shirts werden etwa 2.700 Liter Wasser benötigt – das entspricht dem Trinkwasserbedarf einer Person für zwei bis drei Jahre. (Quelle: wwf.de)

Egal ob auf Kleidertauschpartys, Flohmärkten, in Vintage-Boutiquen oder beim Online-Stöbern – für mich ist Secondhand-Mode eine bewusste Entscheidung. Sie verbindet Individualität, Qualität und Nachhaltigkeit und zeigt, dass stilvolles Shoppen nicht immer neu sein muss.

Vintage vs. Secondhand – Was ist der Unterschied?

Vintage bezeichnet Mode, die mindestens 20 bis 30 Jahre alt ist und den Stil einer bestimmten Epoche widerspiegelt – etwa Kleider aus den 70ern oder Jacken aus den 90ern. Diese Stücke haben oft einen besonderen historischen oder modischen Wert.

Secondhand umfasst alle gebrauchten Kleidungsstücke, unabhängig von ihrem Alter. Ein T-Shirt aus dem letzten Jahr ist genauso Secondhand wie ein Mantel aus den 60ern – der Unterschied liegt im Stil, nicht im Alter.

Kurz gesagt: Jedes Vintage-Stück ist Secondhand, aber nicht jedes Secondhand-Teil ist Vintage!

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