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Über Grenzen hinweg – Eine Geschichte von Mut, Entschlossenheit und dem Traum vom eigenen Salon

Mit 17 Jahren machte sich Salem Saleh allein auf eine Reise, die sein Leben für immer verändern sollte. Mit dem tiefen Wunsch, Sicherheit zu finden und der Sehnsucht, seinem Leben eine neue Perspektive zu geben, verlässt er seine Heimat im Nordirak und überwindet Grenzen – sowohl geografische als auch kulturelle und persönliche.

Heute, 15 Jahre später, steht er in seinem eigenen exklusiven Salon im Herzen Münchens, wo er nicht nur Haare schneidet, sondern Brücken zwischen Kulturen bauen möchte. Seine Geschichte ist geprägt vom festen Glauben, dass mit harter Arbeit alles möglich ist.

Nach einer langen, kräfteraubenden Reise mit unterschiedlichsten Transportmitteln, kommt der 17-jährige Salem 2009 in Deutschland an. Er beantragt Asyl und kommt vorerst in einem Heim für Geflüchtete unter. Schnell merkt er, dass er sich hier ein Leben aufbauen möchte. Zu Beginn kämpft er mit den fehlenden Sprachkenntnissen, findet jedoch Arbeit als Reinigungskraft und Gärtner – Jobs, für die keine Deutschkenntnisse nötig sind. Gleichzeitig lernt er in seiner Unterkunft bei einem ehrenamtlichen Lehrer Deutsch und schafft bald seinen B1-Abschluss. Doch der Weg zu einem geregelten Leben ist alles andere als einfach: die irakische Schulbildung wird in Deutschland nicht anerkannt, er kämpft mit großen Herausforderungen. Aber er lässt sich nicht entmutigen.

Der erste Schritt in die Friseurwelt

Ein Schlüsselmoment verändert Salems Leben: ihm fällt ein Flyer für eine Schule in die Hände. Er bewirbt sich und schafft es, dort seinen Hauptschulabschluss zu machen. Dort empfiehlt ihm eine Sozialpädagogin, aufgrund seiner offenen Art und seines ausgeprägten Sinns für Ästhetik, ein Praktikum in einem Friseursalon zu machen. Die Empfehlung ist ein Glücksgriff: Salem gefällt es so gut im Salon, dass er nach einer Verlängerung des Praktikums fragt. Schließlich bekommt er sogar einen Ausbildungsplatz bei Peter Frei, Inhaber des Salons New Hair in München. Mit Peters Unterstützung, die auch Seminare und intensive sprachliche Förderung umfasst, schließt Salem seine Ausbildung mit Bestnoten ab – der Meistertitel folgt.

„Haare interessieren mich einfach sehr. Ob schneiden oder färben, ich möchte immer das Beste daraus machen, Meister meines Faches sein und alles geben.“

Nach sechs intensiven Jahren bei Peter setzt Salem seine berufliche Reise fort, um weitere Erfahrungen zu sammeln und seine Techniken zu präzisieren. Er arbeitet in verschiedenen renommierten Salons in München und besucht regelmäßig eine Vielzahl von Weiterbildungen. Dabei vertieft er sein Wissen und erwirbt zahlreiche Qualifikationen, wie den Diplôme Colorist von L’Oréal Professionnel, lernt kreative Schnitttechniken bei Vidal Sassoon und Pivot Point und erhält die Zertifizierung zum Calligraphy Cut Gold Member. Als Kérastase Ambassador und Colour Licence Experte von Glynt etabliert er sich zunehmend als Fachmann. 

Der Traum vom eigenen Salon

Im April 2024 erfüllt sich Salem seinen großen Traum und eröffnet „Salem Salon I Culture of Hair“, einen hellen Friseursalon mit hohen Decken und großer Fensterfront im Herzen Münchens, zwischen Maximilian- und Prinzregentenstraße. Hier lebt er die Begeisterung für seinen Beruf. „Ich wollte den Laden modern, klassisch und minimalistisch einrichten, aber mit einem Hauch meiner Heimat“, erzählt er stolz. Die Atmosphäre wird durch internationale Musik und traditionelle Details, wie Nischen mit Licht-Elementen und Vasen, sowie einer Gaslampe ergänzt. Die Inspiration hat er in seinem Elternhaus gefunden, wo es kaum Strom gab und stattdessen Gaslampen in Nischen in der Wand den Räumen Licht gegeben haben. 

„Gastfreundschaft ist das Wichtigste in meinem Leben.“

Für Salem sind seine Kunden nicht nur Kunden, sondern Gäste. Jede Person, die seinen Salon betritt, wird mit einem Erfrischungstuch, Wasser und einer Dattel empfangen – eine Tradition, die tief in seiner Kultur verwurzelt ist. Sein Lebensmotto lautet „Respekt“ – und das spiegelt sich auch in seinem Führungsstil wider. Mit seinem zweiköpfigen Team arbeitet er harmonisch auf Augenhöhe zusammen und schätzt die enge, vertraute Bindung zu seinen Mitarbeiter:innen, die er beide bereits gut aus vorherigen Salon-Berufserfahrungen kennt. Oft sitzt das Team noch lange nach Ladenschluss mit Menschen aus der Nachbarschaft gesellig zusammen, draußen vor dem Salon.

Salem fühlt sich sehr wohl in Deutschland. Er sei angekommen in seiner zweiten Heimat. Sein Rat an Menschen mit Migrationshintergrund: „Lernt die Sprache, arbeitet fleißig, bleibt neugierig und habt immer ein Ziel vor Augen.“ Selbst lebt er genau nach diesen Prinzipien – offen für Neues, stets lernbegierig und unermüdlich in seiner Weiterentwicklung. Aktuell arbeitet er an der Entwicklung eines eigenen Dattel-Shampoos, inspiriert von den Pflegegeheimnissen seiner Großmutter.

Heute ist Salem nicht nur ein erfolgreicher Friseurunternehmer, sondern auch stolzer Familienvater und ein fester Bestandteil in seiner Münchener Nachbarschaft. Seine Geschichte zeigt eindrucksvoll, was mit harter Arbeit, Durchhaltevermögen und dem Glauben an die eigene Zukunft erreicht werden kann.

Interview & Text: Jacky Lefev / Fotos: Dominik Bedat

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